Einschlafen

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Ein allgemein vorkommendes Ereignis sind traumhafte Bilder, die auftreten, wenn Sie in den Schlaf hinübergleiten. Man nennt sie hypnagogische Visionen oder hypnagogische Erfahrungen. Vielleicht haben Sie sich deswegen beim Einschlafen auch schon gewundert. Es handelt sich dabei nicht um gewöhnliche Träume, mehr um Bilder oder kurze Szenen, die man im Übergangsbereich vom Wach- zum Schlafzustand halbbewusst wahrnimmt.

Dieser Typus von Bildvorstellungen wurde vor allem von H. Silberer untersucht. Er achtete besonders auf den Moment, wo die abstrakten Gedanken in konkrete Bildvorstellungen übergingen. Es interessierte ihn besonders, wie sich beim Einschlafen (hypnagogische Visionen) die Veränderung des Bewusstseinszustandes (Wachen-Schlaf) bildlich darstellt. Diesen Wechsel von einem Zustand zum andern vergleicht er mit dem Überschreiten einer Schwelle und spricht deshalb von Schwellensymbolik. Nach seiner Auffassung wird in den sogenannten Schwellensymbolen der augenblickliche Bewusstseinszustand des Einschlafens, der Wechsel von einem psychischen Zustand in einen anderen, unmittelbar in Bilder umgesetzt.

Das Überschreiten der Schwelle äussert sich beispielsweise in der Visualisierung einer Brücke, die sich von einem Ufer zum anderen spannt, im Anblick eines abfahrenden Zugs oder im Aufschliessen einer Tür. Das Einschlafen wird durch Eintreten in ein Haus, in einen Wald oder in ein Tal, durch Anziehen eines Mantels, Fortgehen usw. bildlich dargestellt.

Solche autosymbolischen Darstellungen des Eintretens und Abklingens des Schlafzustandes oder von gleichzeitigen Überlegungen, wobei z.B. der im Halbschlaf auftauchende Gedanke an die Unbequemlichkeit des Aufstehens durch das Bild wiedergegeben wird, man müsse in einem unbequemen Auto Platz suchen, zeigen sehr schön die relative Selbständigkeit und Wesensverschiedenheit von Wach- und Traumbewusstsein.

Seine Ergebnisse fasst er in der zitierten Arbeit so zusammen:

"Die Symbolik des Einschlafens bedient sich solcher Bilder, in welchen eine Situationsänderung, ein Übergang oder Untergang, das Beschreiten einer Schwelle das Charakteristikum ist. Zu solchen Darstellungen wird oft das Bild der Schwelle selbst (als Türschwelle) verwendet, ferner das Überschreiten eines Gewässers, das Tauchen ins Wasser, das Untersinken usw., das Gestörtwerden, das Verbinden und Trennen, das Abreisen und Ankommen, das Abschiednehmen und Begrüssen, das Öffnen und Schließen und ähnliche Handlungen und Situationen."

Mit dem Einschlafen verschwindet unser ganzes Sein mit seinen Existenzformen wie hinter einer unsichtbaren Falltür. Beim Einschlafen wird das abstrakte Denken durch anschauliche Bilder ersetzt. Gedanken werden durch Szenen wiedergegeben. Die Forschungsresultate, die an den Einschlaf- oder Schlummerbildern (hypnagoge Erfahrungen) gewonnen wurden, sind weitgehend auf die Traumbilder übertragbar. Es besteht eine weitgehende Identität der Träume mit den Einschlafbildern. Die Einschlafbilder sind gegenüber den eigentlichen Träumen jedoch mehr schattenhaft, nicht sehr deutlich und plastisch. Wenn die Einschlafbilder in die Träume überleiten, zeigen die Traumbilder grosse Deutlichkeit, sind viel plastischer, wirken lebendiger und greifbarer.

Dass die Plastizität der Traumbilder mit zunehmender Schlaftiefe zunimmt, zeigt sich auch an der Stufung der Bilderschicht selbst: Anfänglich wird beim Einschlafen das Denken ins Bildhafte umgesetzt (Denkvisualisierung) und geht dann über in den spontanen Assoziationsstrom, in dem wenig verdichtete Bilder in rascher Folge dahineilen.

Die wirren, durcheinandergehenden Träume stammen aus dem Oberflächenschlaf und bieten wenig Plastizität. Die Bewegung, der Wechsel der Träume nimmt mit zunehmender Schlaftiefe ab.

Parallel dazu reduziert sich das Ich-Bewusstsein. Das Bewusstsein als solches ist im Wachen und Traum das gleiche und unterscheidet sich nur in seiner Helligkeit. Traum- und Wachbewusstsein sind also nicht zwei verschiedene Bewusstseine. Das Traumbewusstsein ist eine Sublimierung und Verfeinerung des Wachbewusstseins, wobei die Reduktion eine solche der Helligkeit ist, deren Höchstmass sich nur im Wachbewusstsein realisiert. Neuartig erscheint nur die Bildhaftigkeit des Traumbewusstseins, sein Inhalt. Er taucht aber im selben Bewusstsein auf wie in dem des Wachzustandes. Der Bewusstseinsstrom wird beim Einschlafen und beim Übergang vom Wachen in den Traum aber nicht völlig unterbrochen, wenn Einschlafbilder und Träume auftauchen, sondern das Bewußtsein wird nur abgedunkelt und mit andersartigem Inhalt erfüllt. Eine so grosse Kluft besteht zwischen Wachen und Träumen nicht.

Charakteristisch ist dabei die objektive Lockerung der Ichbezogenheit: Die auftauchende Bilderwelt imponiert als etwas nicht ganz Bekanntes, ein Anhauch des fremden liegt darin. Entsprechend ist das Selbstbewusstsein (als Ichbewusstsein) herabgesetzt, leicht umdunkelt, während die Bilder deutlicher und plastischer werden. Das Selbstbewusstsein löst sich jedenfalls mehr und mehr auf, damit gleichzeitig verschwindet die Vergegenwärtigung des Körperbildes, das anschauliche Hier und Jetzt.

Die Bilder werden als bestimmte Inhalte erkannt: es besteht also selbst bei "Herabsetzung" des Selbstbewusstseins ein stets erhaltenes Bedeutungsbewusstsein, sonst wäre eine sinnvolle Wiedergabe des Traumes gar nicht möglich. Im Traum ist jedoch noch eine gewisse Kritik möglich: Jemand sieht im Traum, wie eine Kuh durch die Luft läuft. Zugleich denkt er: das ist ja gar nicht möglich! Es gibt also durchaus ein Sichwundern im Traum, das überraschte Erstauntsein über Dinge, die nicht möglich sind. Mit zunehmender Schlaftiefe nimmt die Kritikfähigkeit aber bald ab, um im Tiefschlaftraum ganz zu verschwinden.

Diese Phänomene, das meist vorhandene Wissen im Traum, das sinnvolle Sprechen, das Staunen und Zweifeln, zeigen, dass die Denkvorgänge keineswegs alle abgebrochen sind, sondern bis in tiefere, ja tiefste archaische Schichten des Bewusstseins hinabreichen und neben den Bildabläufen noch tätig sein können.

Falls man allgemein von einem Traumdenken sprechen will, dann jedenfalls ist es grundsätzlich - unbeschadet dessen, dass es erlebte "Denkträume" gibt - nicht das logisch-kritische des Wachlebens, sondern eben ein Bilderdenken. Dieses Traumdenken ist mythologisch und archaisch-phantastisch. Weil aber das Bewusstsein im Schlaf und Wachen immer das identische ist und weil die Traumvorgänge sich gleichzeitig in verschiedenen Bewusstseinsstufen abspielen, darum ist trotz und "neben" dem archaischen Bilderdenken auch das logisch-rationale Denken im Traum wenigstens beschränkt noch möglich. Die "Denkträume", also solche, in denen "richtige" Urteile usf. gebildet werden, laufen kaum in grosser Ferne vom Wachbewusstsein ab. Solange jedenfalls im Traum Kritik möglich ist, ist weder der Schlaf tief noch stammen die Bilder aus sehr grossen Tiefen des Unbewussten.

Gedanken und Gefühle vor dem Einschlafen beeinflussen Ihre Träume und Traumerinnerung. Wovon Sie also auch immer träumen wollen, versenken Sie sich vollständig darein, konzentrieren Sie sich, bis kurz vor dem Einschlafen darauf. Entscheiden Sie sich für ein von Ihnen sorgfältig ausgewähltes Thema, von dem Sie träumen möchten, umreissen Sie es ganz klar und nehmen Sie es sich fest vor, davon zu träumen. Ihre Einstellung kurz vor dem Einschlafen ist deshalb von Bedeutung: Nehmen Sie sich jetzt vor, sich an Ihre Träume zu erinnern. Suggerieren Sie es sich. "Heute Nacht erinnere ich mich an meine Träume." Denken Sie vor dem Einschlafen daran, dass Sie sich an Ihre Träume erinnern wollen.

 
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